Derzeit flattern Immobilienbesitzern die für das kommende Jahr geltenden neuen Grundsteuerwerte ins Haus. Häufig mit schlechten Nachrichten: Bei vielen steigt die Grundsteuer, zum Teil sogar erheblich. In manchen Fällen gibt es aber einen Ausweg.
Grundsteuerwerte sind entscheidend
Hintergrund: Das Bundesverfassungsgericht hatte 2018 entschieden, dass die alte Grundsteuer gegen das Grundgesetz verstößt, und dem Gesetzgeber eine Neuregelung aufgegeben. Grundlage der Steuer waren die sogenannten Einheitswerte, die völlig veraltet waren. Die Einheitswerte behandelten zudem gleichartige Grundstücke unterschiedlich, was wiederum gegen das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes verstößt, so die Verfassungsrichter.
Ab 2025 gelten nun die sogenannten Grundsteuerwerte, die dann die bisher geltenden Einheitswerte ablösen. Der Grundsteuerwert bemisst den Wert von Wohnungen, Häusern und Grundstücken und dient als Grundlage für die Grundsteuer. Der Grundsteuerwert errechnet sich aus verschiedenen Komponenten wie Grundstücksgröße, Bodenrichtwert oder Alter des Gebäudes. Die Grundsteuer ergibt sich dann aus dem Grundsteuerwert und den Hebesätzen der Gemeinden.
Bei einer deutlichen Erhöhung der Grundsteuer können diejenigen Eigentümer von Immobilien dagegen vorgehen, die bereits gegen den Bescheid des Grundsteuerwerts Einspruch eingelegt haben.
Gutachten in Auftrag geben
Ist dies der Fall, können Immobilienbesitzer einen Gutachter beauftragen, der den Verkehrswert der Wohnung, des Hauses oder des Grundstücks ermittelt. Liegt dieser deutlich unter dem Grundsteuerwert, ergibt sich ein Anspruch auf Ermäßigung der Grundsteuer. Die Abweichung kann sich beispielsweise aus einer Hanglage des Grundstücks ergeben.
Auch der Zuschnitt eines Grundstücks kann sich stark wertmindernd auswirken, wenn es zum Beispiel sehr schmal und dafür sehr lang ist. Auch eine hohe Lärmbelastung durch die Nähe einer stark befahrenen Straße, einer Autobahn oder einer Fabrik kann den Wert einer Immobilie erheblich mindern.
Die Differenz zwischen Grundsteuer- und Verkehrswert muss jedoch erheblich sein. Die Grenze liegt bei 40 Prozent. Es dürften sich also nicht viele Immobilieneigentümer Hoffnungen machen, erfolgreich gegen eine Erhöhung der Grundsteuer vorgehen zu können. Zudem kann ein Gutachten durchaus 1000 bis 2000 Euro oder mehr kosten. Steuerzahler sollten sich also gut überlegen, ob sie diesen Weg gehen wollen.